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Full text of "Autobiographie. Dr. Josef Klimesch, Ehrenmitglied der SEL"

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Nota lepid. 11 (3) : 166-168 ; 31.X.1988 



ISSN 0342-7536 



Autobiographie 

Dr. Josef tQimesch, Ehrenmitglied der SEL (*) 

Donatusgasse 4, A-4020 Linz/Donau, Oesterreich. 




Als Sohn des Marineoberstabsarztes Dr. Josef Klimesch und der Wilhel- 
mine, geb. Beckmann, am 5.V.1902 in Budweis (CSSR) geboren, verlebte 
ich den größten Teil meiner Kindheit in Triest, besuchte dort auch die 
deutsche Volksschule und 2 Klassen des humanistischen Gymnasiums. Mein 
Vater starb 1910. Durch die Kriegsverhältnisse war meine Mutter mit vier 
unmündigen Kindern gezwungen, 1915 Triest zu verlassen und nach Linz 
zu übersiedeln. Hier beendete ich meine Gymnasialstudien (1922), konnte 
aber, da meine Familie durch den ICrieg das gesamte in Kriegsanleihen 



(*) Das Publikationsverzeichnis von Dr. Josef Klimesch ist in Stapfla 16, (p. XDC) Linz 
5.5.88 erschienen. 



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angelegte Vermögen verloren hatte, meinen ursprünglichen Plan, eine 
Universität zu besuchen, nicht verwirklichen, zudem auch meine Mutter 
wegen unserer ungarischen Staatsbürgerschaft durch längere Zeit hindurch 
keine Pension erhielt. Aus diesem Grunde war ich gezwungen, einen 
Brotberuf zu ergreifen (Bankfach). Diese Umstände bewirkten, daß ich erst 
1950 an der Universität Graz ein Universitätsstudium mit der Promotion 
zum Dr. phil. (Hauptfach Zoologie, Nebenfach Botanik) abschließen 
konnte. Eine in der Folge am Wiener Naturhistorischen Museum angestrebte 
Anstellung war wegen der vorgeschrittenen Lebensjahre leider nicht mehr zu 
erreichen. Im Jahre 1934 heiratete ich Magdalena, geb. Lang, die mir bis zu 
ihrem Tode (1975) eine begeisterte Begleiterin und Helferin auf meinen 
entomologischen Reisen war. Meine Wiederverehelichung erfolgte 1977 mit 
Ludwiga, geb. Günther. 

Mein vom Vater ererbtes Interesse an der Natur wurde bereits während 
meiner Gymnasialzeit in Triest von namhaften Fachleuten (Prof. Dr. C. 
CoRi, Prof Lederer und Prof Dr. G. Müller) in jeder Hinsicht gefördert. 
Nach der Übersiedlung nach Linz spezialisierte ich mich auf Lepidopteren 
und wurde dabei durch die am Linzer Landesmuseum wirkenden Fachkräfte, 
insbesonders durch Direktor F. Hauder, dem damals besten Lepidopterolo- 
gen des Landes, tatkräftig unterstützt. Im Rahmen der entomologischen 
Arbeitsgemeinschaft, der ich seit ihrer Gründung (1921) angehörte, trug ich 
unter Leitung des Lokalfaunisten Dr. L. Müller eifrig zur Erfassung der 
oberösterreichischen Lepidopterenfauna bei. Unter dem Einfluß von Dir. 
Halider wandte ich mich 1929 ganz den damals noch arg vernachlässigten 
Kleinschmetterlingen zu. Dabei erzielte ich im Laufe der Jahre, besonders bei 
den minierenden Gruppen, durch Entdeckung noch unbeschriebener Arten 
und deren Lebensweise schöne Erfolge. Diese bezogen sich nicht nur auf 
Arten der einheimischen Fauna sondern auch auf Material, das auf zahlrei- 
chen Reisen in mediterrane Gebiete (Ungarn, Mazedonien, Dalmatien, 
Griechenland, Anatolien, Spanien, Kanaren und Norditalien sowie Sizilien 
und Corsica) gesammelt wurde. Eine Reihe von Veröffentlichungen in 
verschiedenen Fachzeitschriften des In- und Auslandes geben davon Zeu- 
gnis. Mein Einsatz als Dolmetscher der italienischen Sprache im Rahmen des 
Kriegsdienstes (1944-1945) in Ligurien gab mir Gelegenheit zu entomologi- 
schen Aufsammlungen und damit auch Neuentdeckungen. Mit Bewilligung 
der amerikanischen Besatzungsmacht war es mir zu Kriegsende 1945 
möglich, am Museo Tridentino di Scienze Naturali in Trient, mit dem ich 
bereits seit 1934 zusammen arbeitete, unter Dr. Trener und Comm. Catoni 
die lepidopterologischen Sammlungen auszubauen, Dubiosa zu bestimmen 
und ein Minenherbar anzulegen. Nach meiner Ende Februar 1946 aus der 
Kriegsgefangenschaft erfolgten Rückkehr in die Heimat knüpfte ich, trotz der 
meist sehr starken beruflichen Belastung, Kontakte mit allen in Betracht 



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kommenden Fachkräften und Spezialisten an den europäischen Museen an 
und baute bereits vorhandene weiter aus. In diesem Zusammenhang seien 
nur erwähnt : Dr. Rebel, DR. Zerny, Preissecker (Wien), Dr. E. M. 
Hering, Dr. Hannemann (Berlin), Dr. Grandi, Dr. Fiori (Bologna), 
Mariani (Palermo), Dr. Parenti (Torino), Dr. Bradley, Dr. Sattler 
(London), Gerasimov (Leningrad), Dr. Obraztsov (München), Benander, 
Johansson (Schweden), Hackman (Finnland) und noch viele andere. 

Meine vielfältigen Leistungen wurden im Laufe der Jahre durch verschiedene 
Ehrungen im In- und Ausland gewürdigt : so durch die Eintragung in das 
Ehrenbuch der Universität Innsbruck mit dem Ehrenzeichen „excellenti in 
litteris“ (1958), zur Ernennung zum Korrespondenten des Naturhistorischen 
Museums Wien (1950), zum Ehrenmitglied der Wiener entomologischen 
Gesellschaft (1954), der Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Entomo- 
logen, Wien, (1980), der Zoologisch-botanischen Gesellschaft Wien (1974), 
der Societas Europaea Lepidopterologica (1988), mit dem Ehrenpreis der 
Societas entomologica bohemoslovaca Prag (1979), mit der Ernennung zum 
wissenschaftlichen Konsulenten der oberösterr. Landesregierung (1956), 
zum Ehrenkonsulenten der O.ö. Landesregierung (1982) und Verleihung 
des Kulturpreises der O.ö. Landesregierung (1987). 



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